Ultraschall Berlin – das Festival hat manche Metamorphose durchlaufen. Und ist sich doch in seinem Grundgedanken treu geblieben. Von Anfang an war Ultraschall Berlin ein Festival, das jüngst entstandene Werke in einen musikhistorischen Kontext einbindet, der bis zu den Anfängen der Nachkriegs-Avantgarde zurückreicht, also mittlerweile immerhin einen Zeitraum von inzwischen 80 Jahren umfasst. In einem solchen historischen Hallraum werden ästhetische Entwicklungen erkennbar, lassen sich Generationenfolgen und zyklische Bewegungen besser nachvollziehen. Zwar hat in den letzten Jahren die Zahl der Ur- und Erstaufführungen erkennbar zugenommen – dennoch bleibt dieser doppelte Ansatz auch weiterhin für das Festival gültig: aktuellen Tendenzen der zeitgenössischen Musik ein Forum zu bieten, und zugleich diese aktuellen Produktionen in einem musikgeschichtlichen Kontinuum zu verorten.
So selbstverständlich es für die meisten Musiker*innen ist, sich künstlerisch einzumischen in die Debatten der Zeit, so legitim ist es auch, unabhängig von all dem zu arbeiten. Ultraschall Berlin gibt beiden Tendenzen Raum. Mehr noch: Das Festival versteht sich in seinem Selbstverständnis, wesentliche Entwicklungen, die die Musik der Gegenwart prägen, abzubilden, als ein Forum für das Heterogene, Vielfältige der Musik und ihrer Protagonist*innen. Aus einer Vielzahl von individuellen Haltungen, Denkweisen und Handschriften entsteht eine Vielfalt, die das Präsente, das Gegenwärtige zentraler Stimmen aufscheinen lässt.
Einen Schwerpunkt im diesjährigen Festivalprogramm bilden Vokalkombinationen. Eva Resch und Martin Smith bilden in SMESCH ein Duo aus Stimme und Violoncello, Mathias Monrad Møller und Sebastian Berweck eines aus Stimme und Keyboard. Mit György Kurtágs „Kafka-Fragmenten“ gibt es eine Wiederbegegnung mit einem zentralen Werk der jüngeren Musikgeschichte, ebenso wie mit den „Ariosi“ von Hans-Werner Henze. In größerer Besetzung treffen Mitglieder der Neuen Vocalsolisten und das Zafraan Ensemble in Amen Feizabadis Kammeroper „Deep Siesta“ aufeinander.
Ganz aktuell präsentiert das ensemble mosaik drei aktuelle Werke in Uraufführungen, ebenso wie die Akkordeonistin Margit Kern. Zur Deutschen Erstaufführung kommt the last of their kin(d), in dem das Trio Accanto zehn Werke in Auftrag gegeben hat, die sich mit bedrohten Tierarten auseinandersetzen. Michael Wendeberg und das Fabrik Quartet spielen ein Porträtkonzert mit Musik von Hèctor Parra.
Auch in diesem Jahr präsentiert Ultraschall Berlin drei Orchesterkonzerte mit den beiden Orchestern der ROC Berlin. Das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin spielt unter Peter Rundel, während das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin traditionell das Eröffnungs– und Abschlusskonzert unter Marc Albrecht bzw. Giedrė Šlekytė gibt. Solisten sind das GrauSchumacher Piano Duo und der Geiger Ilya Gringolts, der in gleich drei Konzerten des Festivals mitwirkt. Gespräche mit Komponistinnen und Musikern ergänzen auch diesmal unser Festivalprogramm.
Ein Festival, zwei Sender und eine Fülle musikalischer Entdeckungen.
Wir freuen uns auf Sie!
Andreas Göbel, Rainer Pöllmann