Ultraschall Berlin

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Per Nørgård

Per Nørgård

Per Nørgård - Foto © Lars Saanig

Per Nørgård gelang es einmal, seinen Kollegen György Ligeti hinters Licht zu führen: 1968 saßen beide in der Jury eines Kompositionswettbewerbs. Nørgård schmuggelte das vergessene Werk eines dänischen Spätromantikers unter die eingereichten Partituren, Rued Langgaards Sfaerernes Musik. Ligeti fiel dieses Stück prompt ins Auge. In den flirrenden Klangschichtungen und Clustern, die er darin fand, konnte er Züge seiner eigenen Musik erkennen. Seitdem wurde der visionäre dänische Eigenbrötler Langgaard wieder neu entdeckt, 2022 kam dessen Oper Antikrist an der Deutschen Oper zur Neuinszenierung. Die Anekdote mit Ligeti zeigt, was für einen anarchischen Witz Nørgård besaß – und was für ein feines Gespür für Kompositionstechnik.

Geboren wurde Per Nørgård am 13. Juli 1932 in Gentofte bei Kopenhagen. Er studierte an der königlich dänischen Musikakademie in Kopenhagen bei Vagn Holmboe und Finn Høffding. Schon hier war er für seinen Witz und seine Experimentierlust bekannt. 1956/1957 ging er zum Studium bei der legendären Kompositionslehrerin Nadia Boulanger nach Paris. Zurück in Dänemark, arbeitete er neben der Komposition von 1958 bis 1962 als Musikkritiker der Tageszeitung Politiken. 

Per Nørgård schrieb sechs Opern, acht Symphonien und viele weitere Instrumentalstücke sowie Vokalwerke und Filmmusik, darunter den Soundtrack für Daniel Axels Babettes Fest (1987), der 1988 in der Kategorie „bester fremdsprachiger Film“ mit einem Oscar ausgezeichnet wurde. Insgesamt hat Per Nørgård rund 400 Werke komponiert, darunter auch Stücke für musizierende Laien in dänischen Dörfern. Von 1965 bis 1995 lehrte er an der Musikhochschule Aarhus, ab 1987 war Nørgård dort Professor. 

Per Nørgård vergrub sich neugierig forschend in die Klänge bei seinem Komponieren, das von mathematischen Theorien beeinflusst war. Seine Werke sind etwa geprägt von spektraler Harmonik und von Rhythmen, die nach dem Prinzip des Goldenen Schnitts gestaltet sind. Davon ausgehend bildete er die sogenannte Unendlichkeitsreihe aus, die durch Stauchung, Dehnung und Spiegelung vielfältige Varianten durchlief und zu einer imposanten Ausdifferenzierung der Klänge führte.

Bestes Beispiel für die Klangalchimie Nørgårds: Das Orchesterwerk Iris aus dem Jahr 1966 – hohe glasartige Klänge, filigran verästelte Streicherlinien mit allmählich sich verdichtenden Kräften aus dem übrigen Orchester, gegen Ende dringen Bläserflächen ein, Musik wie Sphärenmusik, die allmählich an Boden gewinnt. 

Per Nørgård setzte sich außerdem auch mit dem Schaffen des schizophrenen Schweizer bildenden Künstlers, Schriftstellers und Komponisten Adolf Wölfli (1864–1930) auseinander. Wölflis Bilder wurden in Dänemark erstmals 1979 im Kunstmuseum Louisiana in Nordseeland im Rahmen der Wanderausstellung Outsiders gezeigt. Nørgård stieß auf Wölflis Kunst per Zufall, als er auf Louisiana auf dem Weg zu einem Schönberg-Konzert war. Diese Begegnung mit Wölflis Kunst sollte, so Nørgård, eine geradezu „enzymische Wirkung auf meine Musik“ ausüben. Unter dem Eindruck der Kunst Wölflis entstanden mehrere Chorwerke, die Symphoinie Nr. 4 Indischer Roosen-Gaarten und Chineesischer Hexensee (1981) „nach einer Idee von Adolf Wölfli (1864-1930) und ihm zugeeignet“, außerdem die Oper De guddommelige Tivoli (1982) und WÖLFLI Ein Ausrangierter Unglücksfall (2007), eine dramatische Chor-Montage für einen Schauspieler und Kammerchor.

Per Nørgård wurde mit mehreren Preisen geehrt, darunter bereits 1961 mit dem Kompositionspreis der Stiftung Gaudeamus und 1974 mit dem Musikpreis des Nordischen Rates. Für „ein Leben im Dienste der Musik“ erhielt er 2016 Ernst von Siemens Musikpreis. „Er ist einer der originellsten Komponisten des Nordens, dessen Werk doch weit über die skandinavischen Grenzen hinaus von einzigartiger Bedeutung ist“, hieß es in der Begründung des Sitftungskuratoriums. Im vergangenen Jahr, am 28. Mai 2025, ist Per Nørgård mit 92 Jahren in Kopenhagen gestorben.

Konzerte
  • SMESCH – Lieder des Scheiterns
    Do. 15.01.2026 17:00 Uhr
    Heimathafen Neukölln

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