Brigitta Muntendorf
Brigitta Muntendorf - Foto © Johann Sebastian Hänel
Es sind transdigitale Parcours und komplexe musikalische Narrative, mittels derer die deutsch-österreichische Komponistin Brigitta Muntendorf der Fragilität unserer technosozialen und gesellschaftspolitischen Wirklichkeit nachspürt. In ihren Arbeiten entwickelt sie neue Konzepte des Radical Listening, Environmental Storytelling oder des Immersiven Theaters, etablierte den Begriff des Social Composing und appelliert an mediale Sinnlichkeit. Mit instrumentalen, choralen und orchestralen Settings bis hin zu audiovisuellen (AR-)-Installationen und transdigitalem Musik-, Tanztheater schafft sie einen Klangkosmos analog-digitaler Ausdrucksformen und postdigitaler Interpretation. Ihre künstlerische Forschung zu 3D-Audio und AI-Voice Clones finden in wissenschaftlich-künstlerischen Kooperationen mit Partnern wie d&b audio oder S+T+ARTS statt.
Brigitta Muntendorf steht für eine kompositorische Praxis, die sich in großformatigen, transdisziplinären Produktionen entfaltet. In Zusammenarbeit mit der Choreographin Stephanie Thiersch und dem Architekten Sou Fujimoto präsentierte sie ARCHIPEL (Ruhrtriennale; Theater der Welt; Tanz im August 2021) für 40 Tänzer*innen, Musiker*innen, den Norwegian Soloists’ Choir, 3D-Audio sowie Batailles d’Images (Theater de Nîmes / Oper Bonn), für Orchester, Streichquartett und Tänzer:innen, ebenfalls choreografiert von Stephanie Thiersch.
Ihre Oper MELENCOLIA (Muntendorf/Lobeck; Bregenzer Festspiele 2022, Holland Festival 2024, Berliner Festspiele / Staatsoper Berlin 2025) für Ensemble Modern, Chor, Live-Video und 3D-Audio wurde als erste Oper mit einer Honorary Mention des Prix Arts Electronica ausgezeichnet und erhielt die BKM-Spitzenförderung für besonders innovative Bühnenwerke. Ihre abendfüllende 3D-Audio Arbeit ORBIT – A War Series für AI-Voice Clones und Elektronik (Auftrag der Biennale Venedig 2023) wurde von der internationalen Presse als „posthumanes, futurisches und maßgebendes Space Oratorium“ (La Repubblica) und als „eine überzeugende und eindrucksvolle Auseinandersetzung mit den Dramen des Krieges“ (Rolling Stone) gelobt. ORBIT – A War Series bezieht sich auf die amerikanische Künstlerin Nancy Spero und ihre Darstellungen weiblicher Körper in unterdrückenden Machtstrukturen und markiert den Beginn einer großangelegten 3D-Audio-Trilogie über systemische Gewalt.
Brigitta Muntendorf, 1982 in Hamburg geboren, studierte Komposition bei Younghi Paagh-Paan und Günther Steinke an der HfK Bremen, sowie bei Krzysztof Meyer, Rebecca Saunders und Johannes Schöllhorn an der Hochschule für Musik und Tanz Köln. 2011 wurde Brigitta Muntendorfs erste Taschenoper Wer zum Teufel ist Gerty in Salzburg uraufgeführt, deren Nachfolgewerk Endlich Opfer! 2013 ebenfalls dort präsentiert wurde. 2012 war Brigitta Muntendorf Stipendiatin der Internationalen Ensemble Modern Akademie, ab 2013 unterrichtete sie Komposition an der Universität Siegen.
Muntendorf erhielt zahlreiche Preise und Stipendien, besonders prägend waren Aufenthalte an der Cité Internationale des Arts Paris, im SWR Experimentalstudio und in der Villa Kamogawa Kyoto. Sie erhielt den Förderpreis der Ernst von Siemens Musikstiftung sowie den Deutschen Musikautorenpreis der Sparte Nachwuchs. 2023 wurde ihr Stück Trilogie für zwei Flügel (GrauSchumacher Piano Duo/UA Kunstfestspiele Herrenhausen) mit dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet, es gilt als Pionierkomposition, ebenso wie Brigitta Muntendorfs Reihe Public Privacy, die in über 30 Ländern aufgeführt wurde.
Die Arbeiten von Brigitta Muntendorf wurden von zahlreichen internationalen Festivals eingeladen, wie z.B. dem Festival d’Automne Paris, den Wiener Festwochen, der Ruhrtriennale, den Donaueschinger Musiktagen, dem Warschauer Herbst, der Münchner Biennale, von PAN Music Festival Korea, Time:Spans Festival New York, Musica Strasbourg, ULTIMA Oslo, Art Share L.A., ONASSIS Athens und Hollandfestival. Ihre audiovisuellen Installationen wie COVERED CULTURE (Muntendorf/Lobeck) für 60 Sänger:innen und Performer:innen oder die Klanginstallation ||: Forest of Breath:|| wurden im Duolun Museum of Modern Art (Shanghai), im TPAM/BANKArtTemporary (Yokohama), LOOP (Seoul), Kyoto Experiment sowie in der Kunsthalle Mannheim (in Zusammenarbeit mit dem National Theater Mannheim) ausgestellt.
Brigitta Muntendorf war Gründerin und Leiterin des Ensemble Garage und langjährige Leiterin des Festivals F*MN (Frau* Musica Nova) in Kooperation mit Deutschlandfunk. Sie ist Professorin für Komposition an der Hochschule für Musik und Tanz Köln und ordentliches Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste. Seit 2025 ist sie künstlerische Leiterin der internationalen Kunstfestspiele Herrenhausen.
Website von Brigitta Muntendorf
Konzerte-
SMESCH – Lieder des Scheiterns
Do. 15.01.2026 17:00 Uhr
Heimathafen Neukölln