Kaija Saariaho
Kaija Saariaho - Foto © Andrew Campbell
Kaija Saariaho war eine der bedeutendsten Größen unter den Komponierenden ihrer Generation. Sie erhielt zahlreiche Preise und Ehrungen, eine Fachumfrage der BBC erklärte sie sogar zu „The Greatest Living Composer“. Geboren wurde sie am 14. Oktober 1952 in Helsinki. Nach dem Abitur an einer Waldorfschule studierte sie zunächst Graphik und Design. Danach ging sie an die Sibelius-Akademie in Helsinki zum Kompositionsstudium bei Paavo Heininen. Mit ihren Mitstudenten, dem Komponisten Magnus Lindberg, dem Dirigenten und Komponisten Esa-Pekka sowie dem Dirigenten Jukka-Pekka Sarastre sowie anderen Mitstreitern gründete Saariaho die Gruppe „Korvat auki!“ („Ohren auf!“), die sich dem Studium und der Aufführung zeitgenössischer Musik verschrieb. In diesem Rahmen gab es eine Reihe finnischer Erstaufführungen. In Freiburg im Breisgau studierte Kaija Saariaho später bei Brian Ferneyhough und Klaus Huber. Durch Impulse von Vertretern der École spectrale wie Tristan Murail ging sie 1982 nach Paris ans IRCAM, wo sie sich intensiv mit elektroakustischer Musik, Live-Elektronik und der damals noch neuen Computermusik beschäftigte. Diese Erfahrungen sollten für ihr gesamtes Schaffen stilprägend werden. Seitdem lebte Kaija Saariaho auch in Paris.
Sie schrieb äußerst produktiv elektroakustische Werke, Musik für Solostücke, Kammermusik, Orchester- und Vokalwerke sowie Musiktheaterwerke. Kaija Saariaho hatte eine individuelle, markante kompositorische Handschrift: mit fragilen und kraftvollen, vorwiegend luxierend und irisierenden Strukturen und Texturen. In ihren Werken gibt es oft subtile Amalgamierungen von akustischen Instrumenten und elektroakustischen Klängen.
Über ihre Oper L’amour de loin über einen aquitanischen Troubadour, die bereits zum zeitgenössischen Repertoire gehört, schrieb der Kritiker des New Yorker Alex Ross in seinem Überblickswerk The Rest is Noise, sie atme „die gleiche exquisite Atmosphäre wie Debussys Pelléas, wobei nun elektronische Mittel die geisterhafte Schönheit der Texturen bereichern.“Im zeitlichen Umfeld der Uraufführung von L’amour de loin im Jahr 2000 bei den Salzburger Festspielen hat Kaija Saariaho die Bedeutung des Visuellen für ihr Musikschaffen hervorgehoben: „In meiner ganz persönlich entwickelten Art, die Dinge wahrzunehmen, gibt es sicherlich eine starke synästhetische Komponente, die die visuelle Seite sehr wichtig werden lässt. Ich glaube, dies empfinden auch die Hörer meiner Musik.“ Als Künstlerin, in Finnland mit den kurzen Tagen des Winters und den weißen Nächten des Sommers aufgewachsen, habe sie eine besondere Sensibilität für Lichtphänomene, erklärte Kaija Saariaho gegenüber dem US-amerikanischen Magazin Music & Literature. Angesprochen auf Finnland, sagte sie damals: „Natur ist eine Sache, aber was wichtiger ist, ist Licht. Die Veränderungen des Sonnenlichts im Jahresverlauf sind so drastisch, dass sie jeden beeinflussen.“
Im Oratorium La passion de Simone (Wien, 2006) widmete sich Saariaho dem Leben und Denken von Simone Weil. Saariahos Musiktheaterstück Innocence, 2021 beim Festival d’Aix-en-Provence uraufgeführt, behandelt als Hinweis auf reale Verbrechen ein fiktives Massaker an einer Schule in Helsinki um 2000 und untersucht in Rück- und Vorblenden Hintergründe und Folgen der Beteiligten.
Kaija Saariaho starb am 2. Juni 2023 mit 70 Jahren in Paris. Posthum wurde im August des Jahres beim Helsinki Festival ihr Trompetenkonzert Hush uraufgeführt. „In den letzten Jahren strahlte sie wie ein Nordstern am Himmel der Avantgarde“, schrieb der Musikwissenschaftler Tomi Mäkelä in einem Nachruf.
Konzerte-
SMESCH – Lieder des Scheiterns
Do. 15.01.2026 17:00 Uhr
Heimathafen Neukölln