Talib Rasul Hakim: Visions of Ishwara

(1970) 9‘

Uraufführung: 07. September 1974, Houston/Texas,
Houston Symphony Orchestra, Paul Freeman (Leitung)

Von entscheidender Bedeutung war (…) die Gründung der Society of Black Composers im Mai 1968, einer Gruppe von zumeist in New York ansässigen afroamerikanischen Komponist:innen mit unterschiedlichem musikalischem Hintergrund, die sich zum Ziel gesetzt hatte, „ein dauerhaftes Forum für die Präsentation Schwarzer Komponisten, ihrer Werke und ihrer Gedanken zu schaffen, Informationen über Schwarze Komponisten und ihre Aktivitäten zu sammeln und zu verbreiten sowie das kulturelle Leben der Community insgesamt zu bereichern.“ Diese Vereinigung von über fünfzig Komponist:innen wurde von den Komponierenden Dorothy Rudd Moore und ihrem Ehemann, dem Cellisten Kermit Moore, Carman Moore (nicht verwandt), Talib Rasul Hakim (damals Stephen Chambers) und dem Fluxus-Komponisten und Künstler Benjamin Patterson gegründet. Weitere Mitglieder der Society waren Ornette Coleman, Herbie Hancock, Archie Shepp, Olly Wilson, Alvin Singleton, Oliver Nelson, Marion Brown, Wendell Logan, Adolphus Hailstork, Coleridge-Taylor Perkinson und Noel Da Costa. 

Ziel der Society war es, die Musik Schwarzer zeitgenössischer Komponist:innen durch Konzerte, Symposien und Vorträge bekannt zu machen, in denen die Kompositionen der Mitglieder aufgeführt und ihre Methodiken und Ästhetiken diskutiert wurden. Diese Komponist:innen begnügten sich nicht länger mit der ihnen zugewiesenen, zweckdienlichen Rolle erkenntnistheoretischer Außenseiter und stellten grundlegende Annahmen über die Konstruktion der westlichen klassischen Musik als historisch und institutionell weißer Raum und erhaltenes Wissen über eine vermeintlich einheitliche Schwarze Musikästhetik in Frage.

Harald Kisiedu u. George E. Lewis, Einleitung, in: dies. (Hg.), Composing While Black. Afrodiasporische Neue Musik heute/Afodiasporic New Music Today, Berlin (Wolke), 2023, S. 10 u. 12.

Ishvara-Visionen

Ishvara ist nach den religiösen Schriften des Hinduismus ein Gott mit (bestimmten Attributen). Er trägt in sich all die göttlichen Eigenschafften der Liebe, der Barmherzigkeit, der Reinheit, der Gerechtigkeit, des Wissens und der Wahrheit. Das Konzept (von Ishvara) steht für all das, was der menschliche Geist von Gott wissen kann, denn es ist Brahma oder Atman (zwei Namen für die gleiche Gottheit), der eine Hauptgottheit ist und nie erfasst werden kann.  Wenn (Brahma) in Bezug auf das Universum gedacht wird, so wird er jedoch als persönlicher Gott (Ishvara)= betrachtet, der seinerseits drei Prinzipien oder Aspekte vereinigt: 

  1. Brahma – das göttliche Prinzip der (Schöpfung)
  2. Vishnu – das göttliche Prinzip der (Bewahrung)
  3. Shiva – das göttliche Prinzip der (Zerstörung)

Ishvara-Visionen zu haben bedeutet somit, Visionen des Göttlichen und dessen göttlicher Eigenschaften zu haben, wie sie sich durch und über dessen vollendete Schöpfung manifestieren, den Menschen.

Talib Rasul Hakim
(Übersetzung: Ecki Ramón Weber)

Das Yogasutra des Patanjali

1.21 Durch intensive Tatkraft rückt das Ziel nahe.
1.22 Diese Intensität kann mild, mäßig oder stark sein.
1.23 Oder durch Hingabe an Ishvara.
1.24 Ishvara ist ein Puruşa (der Bewohner / das unsterbliche Selbst / das unveränderliche Innere, das innere Selbst) besonderer Art, der unberührt ist vom Kreislauf, der durch innere Treibe, triebhaftes Handeln, die Ergebnisse solchen Handelns und die Bindung an diese Ergebnisse geschlossen werden.
1.25 Ishvara ist allumfassend und die Quelle allen Wissens.
1.26 Ishvara ist jenes und dieses, endlos und ursprunglos, nicht durch die Zeit bedingt und der Ursprung des Lichts (Wissens).

Patanjali/R. Sriram, Das Yogasutra, München (Arkana) 2006, S. 65–71.