Sara Glojnarić: DING, DONG, DARLING!

(2024, 2025)

Ein Stück über Queer Joy.

»Chill out, it’s all been done before« singt Avril Lavigne in ihrer Single Complicated aus dem Jahr 2002. Ich hätte nie gedacht, dass ein Zitat aus diesem Song mir helfen würde, den Einfluss meiner eigenen Identität auf eigene kompositorische Arbeit zu kalibrieren. Die Queer-Kultur hat einen bedeutenden Einfluss auf die Popkultur, Online-Slang und den modernen Internet-Diskurs. Das Material, das ich konsumiere und lese, ist so stark von meiner eigenen Queerness beeinflusst, dass es sich darauf auswirkt, wie ich die Welt sehe und wie ich mit ihr interagiere. Dies ist eine Art Coming-out, bei dem ich meinen persönlichen Geschmack offenlege und die Bezüge zelebriere, die mir ein Gefühl großer Freude vermitteln.

DING, DONG, DARLING! ist ein Stück, das versucht, das Gefühl wiederzugeben, das wir erleben, wenn Chappell Roan offen über ihre Sehnsucht nach anderen Frauen singt, alles verpackt in einem glänzenden Pop-Paket; oder das Camp der Eurovision; wenn wir über einen Sainthoax-Post auf Instagram giggeln; oder wenn wir die subversive Natur der House-Musik und ihrer Musiker*innen, überwiegend schwarze Frauen und Trans-Frauen, erkennen und feiern.

Es geht darum, diesem Moment der Freude und der Hoffnung nachzugehen, der dadurch ausgelöst wird, wenn ich eine andere Person bei der Leichtigkeit ihres queer-Seins betrachte. Im Kern ist queer joy ein Konzept, das die Bedeutung von Freude und Vergnügen im Leben von LGBTQ+ Personen anerkennt. Es stellt das gängige Narrativ in Frage, dass queer-Sein ausschließlich auf Schmerz oder Trauma zurückzuführen ist, und erkennt stattdessen die Widerstandsfähigkeit, den Widerstand und die Kreativität von LGBTQ+ Menschen an. 

Wenn ich über meine frühere Arbeit nachdenke, stelle ich fest, dass sie größtenteils äußerlich war.  Jetzt richte ich den Blick nach innen und nehme mich selbst unter die Lupe. Diese Arbeit ist ein Container, eine Art Hommage, gefüllt mit Referenzen und Erinnerungen, die Nicht-Normativität, Pathos, Hyper-Pop, Camp, Glitter und Sexualität in all ihren Aspekten einbezieht und, was am allerwichtigsten ist, die Freude als integralen Bestandteil meiner künstlerischen Praxis zurückerobert.

Sara Glojnarić