Petra Strahovnik: 1945-

(2025)

1945– ist ein neues Orchesterwerk, das sich mit den akustischen Spuren von Spaltung, Erinnerung und künstlerischer Kontinuität auseinandersetzt. Das Stück wurde anlässlich des 80-jährigen Jubiläums der Gesellschaft slowenischer Komponisten (DSS) komponiert und bewegt sich im Spannungsfeld zwischen historischem Bruch und kultureller Resonanz.

Das Jahr 1945 ist geprägt von tiefgreifenden Wendepunkten: der Gründung von Institutionen wie der DSS, dem Ende des Krieges, Massenhinrichtungen und einer politischen Spaltung, die bis heute nachwirkt. Eine Nation bleibt geteilt, Familien sind getrennt, Individuen innerlich zerrissen. Diese nicht verheilte Wunden werden durch Erinnerung und Epigenetik von Generation zu Generation weitergegeben und prägen unsere Gegenwart und unsere Zukunft.

Im Zentrum des Werks steht das Echo, eine Spur von Ereignissen, ein Rückstand blutbefleckter Wunden, eine Reflexion von Tropfen, die durch eine schmale Linse fallen. Das Stück atmet durch Spannung, durch das Ein- und Ausatmen von Klangreflexionen. Einzelne Stimmen, die aus Archivspuren und lebendigen Zeugnissen stammen, werden nicht zitiert, sondern im Moment eingefangen. Emotionale Schwere wird in das Klangspektrum eingewoben, extrahiert und in ein rohes, resonantes Bild verwandelt. Das Erwachen des Traumas wird Teil der Gegenwart – intensiv nah und unmittelbar. Das Orchester agiert wie ein lebender Organismus: Ein Teil treibt die rhythmische Intensität voran, während ein anderer zerbrechliche, fließende Gesten einwebt und so Zonen der Spannung, des Drucks, des Raums und der Transformation schafft, die organisch aus dem Chaos hervorgehen.

Die Existenz des Werks lebt vom Dialog, von einer Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen dem Individuum und dem Kollektiv, zwischen Tradition und Innovation. Es ist eine Hommage an Komponisten und Schöpfer, die durch Musik oder jede andere Kunstform das Unaussprechliche ausdrücken, Brücken bauen, Verborgenes offenbaren, nach tieferen Wahrheiten suchen und aus der transzendenten Schönheit der Ewigkeit schöpfen

Petra Strahovnik

1945– is a new orchestral work that draws upon the acoustic imprint of division, memory, and artistic continuity. Created to mark the 80th anniversary of the Society of Slovene Composers (DSS), the piece resides in the space between historical rupture and cultural resonance.

The year 1945 carries profound turning points: the founding of institutions such as the DSS, the end of the war, mass executions, and a political divide that still echoes today. A nation remains split, families divided, individuals torn within. These unresolved wounds are transmitted through memory and epigenetics from generation to generation, shaping our present and our future.

At the heart of the work lies the echo, a trace of events, a residue of blood-stained wounds, a reflection of drops falling through a narrow lens. The piece breathes through tension, through the inhale and exhale of sonic reflections. Individual voices, drawn from archival traces and living testimonies, are not quoted but captured in the moment. Emotional weight is woven into the spectrum of sound, extracted and transformed into a raw, resonant image. The awakening of trauma becomes part of the present – intensely close and immediate. The orchestra acts as a living organism: one part drives rhythmic intensity, while another weaves fragile, fluid gestures, creating zones of tension, pressure, space, and transformation that emerge organically from within the chaos.

The existence of the work lives in dialogue, a bridge between past and future, between the individual and the collective, between tradition and innovation. It stands as a tribute to composers and creators who, through music or any other art form, express the inexpressible, build bridges, reveal what is hidden, seek deeper truths, and draw from the transcendent beauty of eternity

Petra Strahovnik