Per Nørgård: Plutonian Ode

(1982-84) 10‘

Uraufführung: Brighton Festival 1984
Jane Manning (Sopran), Florian Kitt (Violoncello)

Plutonian Ode, eine Rezitation und eine Arie

Sein Werk Plutonian Ode schrieb Allen Ginsberg 1978. Die beiden Ausschnitte aus dem ersten Teil der Ode wurden zwischen 1980 und 1984 von mir komponiert (für einige Jahre als Chorkomposition geplant, später aufgegeben) unter der Bezeichnung „Ijalomarang“, im Balinesischen die Bezeichnung für Exorzismus (der Hexe Rangda). [PLUTONISCH = ATOMNUKLEAR]

Der Komponist wünscht außer dem obigen keinen anderen Programmkommentar und auch keinen Abdruck des gesungenen Textes (aus dem ersten Teil von Ginsbergs Ode), denn dies würde die Präsenz der Performance abschwächen. Nur die folgende „Widmung“ (der dritte und letzte Teil der Ode) sollte in einem Programmheft abgedruckt werden oder im Radio rezitiert werden. Vielen Dank.

Per Nørgård, Vorwort zur Partitur von Plutonian Ode
(Übersetzung: Ecki Ramón Weber)

This ode to you o Poets and [!] Orators to come, you
Father Whitman as I pass you by [!]
You present meditators spiritual freidns and teachers
You, O Master oft he Diamond Arts,
Take this wheel of syllables in hand, these vowels and
consonants to breaths’s end.
Take this inhalation of pure [!] poison to your heart,
breathe [!] this blessing from your breast out on creation
[forests] cities, oceans, deserts, rocky flats, and mountains
in the Ten Directions pacify with this [!] exhalation
enrich this Plutonian Ode to explode ist empty thunder
through earten thought-worlds
Magnetize this howl with heartless compassion, destroy
This mountain of Plutonium with ordinary mind
and body speech,
Thus empower this mind-guard spell gone out, gone out, gone beyound, gone beyond me, Wake space,
so Ah!

Allen Ginsberg: Plutonian Ode, Teil III
Zitiert in: Per Nørgård, Vorwort zur Partitur von Plutonian Ode

Plutonian Ode wurde für die britische Sopranistin Jane Manning komponiert, ihr ist es auch gewidmet. Sie brachte das Stück beim Brighton Festival 1984 mit dem Cellisten Florian Kitt zur Uraufführung. Der Gesangstext besteht aus zwei Ausschnitten des gleichnamigen Gedichts von Allen Ginsberg, eine intensive Verbalattacke über das schlimmste Szenarium: Atomare Vernichtung.

Das metronomische Ticktack des Rhythmus im Violoncello weist auf den ursprünglichen Titel 26 Minutes hin. 26 Minuten, das ist die Zeitdauer, die der US-amerikanische Präsident hat, um mit einem Gegenschlag zu reagieren, nachdem er die Information über eines Atomschlags gegen sein Land erhalten hat. Der grundsätzliche Ausdrucksgehalt des Stücks ist ein dramatischer Weckruf, im Gegensatz zur tödlichen Stille nach dem Abwurf einer Atombombe, ein Plädoyer für ein menschliches Miteinander und den Wert menschlichen Lebens. Die durchgehende rhythmische Ambiguität in diesem Stück wird mit Transformationen der Wörter, die der Komponist vorgenommen hat, kombiniert. Auf diese Weise werden einzelne Wortbedeutungen verändert, zum Beispiel: „at last“ („schließlich“) – „Atlas“ – „alas“ („Ach“, „leider“).

Per Nørgård
(Übersetzung: Ecki Ramón Weber)