(2013)
L’Absència ist eine Orchesterkomposition, die von den literarischen Werken der französischen Schriftstellerin Marie NDiaye inspiriert ist. Ihre Figuren sind düster und sozial ausgegrenzt und kämpfen, ohne sich dessen bewusst zu sein, verzweifelt gegen die Sinnlosigkeit des Daseins. Marie NDiaye erforscht jedoch ihr Innenleben und offenbart dabei erstaunliche Reichtümer, die uns mit ihnen mitfühlen und verschmelzen lassen, während sie gleichzeitig die extreme Zerbrechlichkeit ihrer Lage hervorhebt.
Indem ich die orchestrale Textur von L’Absència durch verschiedene Phasen führe, möchte ich dem Zuhörer eine labyrinthische Klanglandschaft präsentieren, in der die Erinnerung an musikalische Gesten durch die sich daraus ergebenden wechselnden Emotionen verwischt wird. So kann die Leere der Abwesenheit (die Abwesenheit eines nahestehenden Menschen, eines Innenlebens, der Hoffnung?) die Form eines Netzes aus Motiven von großer kontrapunktischer Zärtlichkeit in den Holzbläsern annehmen oder die Form eines gewundenen Solos auf der Oboe über einem trockenen und eisigen Akkord der Streicher, an der Grenze des Hörbaren. An einer Stelle des Stücks wird die Spannung unerträglich, und die orchestrale Masse mündet in ein Presto-Finale, das, obwohl es die instrumentale Energie bis an ihre Grenzen treibt, die angesammelte Spannung nicht löst und uns einen Blick auf die zyklische und unendliche Natur der Widersprüche werfen lässt, die unserem Dasein Leben geben.
Hèctor Parra
L’Absència is an orchestral composition inspired by the literary works of the French writer Marie NDiaye. Her characters are sombre and socially excluded and, without being aware of it, struggle in exasperation against the futility of existence. But Marie NDiaye explores their inner lives, revealing astonishing riches that make us vibrate and merge with them while highlighting the extreme fragility of their condition.
By taking the orchestral texture of l’Absència through various phases, I have wanted to present the listener with a labyrinthine sound landscape where the memory of musical gestures is blurred by the shifting emotions that derive from them. Thus, the vacuum of absence (the absence of someone close, of an inner life, of hope?) may take the form of a web of motifs of great contrapuntal tenderness in the woodwind, or a serpentine solo on the oboe over a dry and icy chord on the strings, in the limits of the audible. At one point in the piece, the tension becomes unsustainable, and the orchestral mass leads to a presto finale which, even while taking the instrumental energies to the limit, does not release the accumulated tension, letting us glimpse the cyclical and infinite nature of the contradictions that give life to our existence.
Hèctor Parra