Hans Werner Henze: Ariosi

(1963)

Ariosi sind ein sinfonisches Werk in fünf Sätzen für Sopran und Violine. Die Texte, die ich für drei der Sätze verwendet habe, sind Dichtungen von Torquato Tasso entnommen. Das erste Gedicht findet sich in den ›Rime‹, die Lucrezia Bendidio gewidmet sind. Das zweite entstammt einer Sammlung von Gelegenheitsgedichten, und das dritte ist das Sonnett 44 aus den ›Rime‹ für Laura Peperara. 

Das Thema meines Werkes ist die Geschichte einer imaginären Liebe, oder genauer, Reflexionen über das Ende einer Liebe. Der erste Satz, ›Qual Rugiada‹ (Welcher Taufall), ist Ausdruck der Trauer der Natur über den Abschied der geliebten Person. Diese Trauer setzt sich fort in gesteigerter und greifbarerer Form im zweiten Satz, ›Compianto‹ (Klage). Der dritte Satz, ›Maraviglioso Fior del Vostro Mare‹ (Wunderbare Blume aus eurem Meer), ist zu verstehen als ein Nachsinnen über die Schönheit der geliebten Person, die in der Phantasie des Dichters zu einer Erscheinung von fernen Küsten geworden ist. Der vierte Satz, ›Estro‹ (Laune), beschreibt die Bestürzung und Verwirrung, welche die Kapricen der geliebten Person verursacht, und leitet über in den Schlusssatz, ›Deh, vieni, Morte soave‹ (Ach komm, süßer Tod), der dem Schmerz über die verlorene Liebe Ausdruck verleiht.

Die vorliegende Fassung für Klavier vierhändig hat die gleiche Gültigkeit wie die mit Orchester.

Hans Werner Henze