György Kurtág: Kafka-Fragmente

op. 24 (1985–87) 60‘ – für Sopran und Violine

nach Texten von Franz Kafka
Marianne Stein gewidmet

Uraufführung: 25. April 1987, Witten, Wittener Tage für neue Kammermusik, Adrienne Csengery (Sopran), András Keller (Violine)

Teil I:

Die Guten gehen im gleichen Schritt
„(…) Ohne von ihnen zu wissen, tanzen die andern um sie die Tänze der Zeit.“

Wie ein Weg im Herbst
„(…) Kaum ist er reingekehrt, bedeckt er sich wieder mit den trockenen Blättern.“

Verstecke
„(…) Rettung nur eine (…).“

Ruhelos
„Ruhelos“

Berceuse I
„Schlage deinen Mantel, hoher Traum, um das Kind.“

Nimmermehr
(Excommunicatio)

„(…) nimmermehr tönt die große Glocke über dir.“

Wenn er mich immer frägt
„(…) das ‚ä‘ lösgelöst vom Satz, (…).“

Es zupfte mich jemand am Kleid
„(…) aber ich schüttelte ihn ab.“

Die Weißnäherinnen
„(…) in den Regengüssen.“

Szene am Bahnhof
„Die Zuschauer erstarren (…).“

Sonntag, den 19. Juli 1910 (Berceuse II)
(Hommage à Jeney)

„Geschlafen, aufgewacht (…).“

Meine Ohrmuschel …
„(…) fühlte sich frisch, rauh, kühl, saftig an (…).“

Einmal brach ich mir das Bein
(Chassidischer Tanz)

„(…) es war das schönste Erlebnis meines Lebens.“

Umpanzert
„Einen Augenblick lang (…).“

Zwei Spazierstücke
(Authentisch plagal)

„(…) Mich brechen alle Hindernisse (…).“

Keine Rückkehr
„(…) Dieser Punkt ist zu erreichen.“

Stolz (1910 / 15. November, zehn Uhr)
„(…) und wenn es mir das Gesicht zerschneiden sollte.“

Träumend hing die Blume
(Hommage à Schumann)

„(…) Abenddämmerung umzog sie.“

Nichts dergleichen
„(…) nichts dergleichen.“

Teil II

Der wahre Weg
(Hommage-message à Pierre Boulez)

„(…) geht über ein Seil, das nicht in der Höhe gespannt ist (…).“

Teil III

Haben? Sein?
„(…) nach Ersticken verlangendes Sein.“

Der Coitus als Bestrafung
(Canticulum Mariæ Magdalenæ)

„(…) des Beisammenseins.“

Meine Festung
„Meine Gefängniszelle (…).“

Schmutzig bin ich, Milena …
„(…) darum mache ich ein solches Geschrei mit der Reinheit (…).“

Elendes Leben
(Double)

„Geschlafen, aufgewacht (…).“

Der begrenzte Kreis
„(…) ist rein.“

Ziel, Weg, Zögern
„Es gibt ein Ziel, aber keinen Weg (…).“

So fest
„(…) Aber auch in jene Weite führt der Weg.“

Verstecke
(Double)

„(…) Rettung nur eine (…).“

Penetrant jüdisch
„Im Kampf zwischen dir und der Welt (…).“

Staunend sahen wir das große Pferd
„(…) rauschend flog die Mähne im Wind.“

Szene in der Elektrischen
(1920: „Ich bat im Traum die Tänzerin Eduardowa, sie möchte doch den Csárdás noch einmal tanzen …“
„(…) es besteht kein Verbot, warum in der Elektrischen nicht gespielt werden dürfte (…).“

Teil IV

Zu spät
(22. Oktober 1913)

„(…) Die Süßigkeit der Trauer und der Liebe (…).“

Eine lange Geschichte
„(…) Ich lebe rasch.“

In memoriam Robert Klein
„Noch spielen die Jagdhunde im Hof (…).“

Aus einem alten Notizbuch
„(…) bemerkte ich, wie meine linke Hand die rechte schon ein Welchen lang aus Mitleid bei den Fingern umfasst hielt.“

Leoparden
„(…) brechen in den Tempel ein und saufen die Opferkrüge leer (…).“

In memoriam Joannis Pilinzky
„(…) nicht eigentlich erzählen, ja fast nicht einmal reden (…).“

Wiederum, wiederum
„(…) weites Land gilt es zu durchwandern.“

Es blendete uns die Mondnacht
„(…) Wir krochen durch den Staub, ein Schlangenpaar.“