(2025) – für Sopransaxophon, Schlagzeug und Klavier
Uraufführung: 17. Oktober 2025, Festival Transit, Leuven
Trio Accanto: Marcus Weiss (Saxophone), Stefan Wirth (Keyboard-Instrumente), Christian Dierstein (Schlagzeug)
Georg Lendorff (Video), Katinka Deecke (Dramaturgie)
Die Goldkröte, eine winzige, leuchtend orange gefärbte Art aus dem Nebelwald von Monteverde in Costa Rica, wurde 1964 erstmals beobachtet; die letzte Sichtung erfolgte 1989. Da keine Tonaufnahmen dieser Kröte existieren, dienten Beschreibungen und Aufnahmen anderer Bufonidae-Arten als Grundlage für diese Komposition. Die Feldbiologin Marty Crump schildert in In Search of the Golden Frog das intensive, „explosive“ Paarungsverhalten der Goldkröten: das Ablegen der Eier innerhalb eines kurzen Zeitraums, worauf sich die Männchen auf die Weibchen stapeln. Dieses wilde, komplexe Paarungsverhalten wird in der Musikkomposition nachgeahmt: widersprüchliche rhythmische Strömungen und eine Dichte der Anschläge, die sich an den dokumentierten Sichtungen zwischen 1964 und 1987 orientiert. Jedes Jahr entspricht etwa neunzehn Sekunden – so erfahren die lebhaften, beschwingten musikalischen Texturen gegen Ende des Stücks einen plötzlichen Rückgang der Dichte: ein tragisches, hörbares Abbild des Verschwindens der Goldkröten.
Annesley Black
the last of their kin(d)
A speculative songbook of endangered species
The Last of Their Kin(d) ist ein szenisches Konzert, eine konzertante Inszenierung, eine performative Klanginstallation, ein klingendes Vivarium. Mit dieser artübergreifenden Erfahrung aus Klang, Kunst und Lebewesen versucht das Trio Accanto eine Brücke zu jenen Wesen zu schlagen, die in naher Zukunft (wahrscheinlich) aussterben werden. Zu diesem Zweck vertieft es sich in zehn speziell für diesen Anlass geschaffene Kompositionen und tritt in einen Austausch mit gefährdeten Verbündeten anderer Arten: Der Berggorilla, die Goldkröte, die unsterbliche Qualle, der Komodowaran, der Aye-Aye, der Bonobo, das Schwarzbaumkänguru, der Monarchfalter, der Antiguan Racer und der Riesenkalmar sind alle vom Aussterben bedroht – trotz ihrer Stärke und Widerstandsfähigkeit, die sich zum Teil über Millionen von Jahren entwickelt hat. Zum Überleben benötigen sie von eben jener mächtigen Spezies, die ihre größte Bedrohung darstellt, ausreichend viel Platz in Baum, Meer und Urwald sowie eine tastend ausgestreckte Hand. Diese will das Trio Accanto den zehn Arten und den fast 50.000 weiteren gefährdeten Tierarten reichen – ein Versuch, eine Gemeinschaft der Lebewesen auf diesem Planeten aufrechtzuerhalten.
Mit raumgreifendem Schlagzeug, dazu Saxophon und Klavier begeben Christian Dierstein, Marcus Weiss und Stefan Wirth sich hinein in die neuen Kompositionen und in den Austausch mit ihren gefährdeten Verbündeten und mit den schillernden Gebilden, die Videokünstler Georg Lendorff den alten Spezies und neuen Allianzen visuell zur Seite stellt.
Katinka Deecke