(1994) 21‘ – für Sopran und Violoncello
Text: Wolfgang Hilbig
1
der horizonte zorn und kalten krach
schluchte endlich der mond im kranken schwarz
und sie ward endlich eins mit ihrem triben
und teile sich auf wassern und schlamm
schwamm durch das gold von fenstern fort –
treibholz –
morgendlichen wassers leerer ort (…)
2
doch zeitenlos in allen fluten treibt opheliens licht
und ruht in glatten lachen im ernfernten moor
ophelia (…)
venedigt bröckelt ab
und flugzeugträger gehen auf see verloren
flugzeuge stürzen ins eis und verschwinden
in antartika schrecklich zeigt sich die sphinx – (…)
3
Ein schweres holz das uns vergaß
Zui trunken von wasser und trauer
Von vielen farbigen meeren gebläut
Verschwamm und verscholl ohnemaß (…)
So mag sie noch träumen
Vorstadtkanälen vermählt (…)
Aus: Wolfgang Hilbig: Ophelia