(2025) 10‘ – for accordion solo
Uraufführung
Der Titel des Stückes Shared Destinies stammt von der gleichnamigen Skulptur des koreanischen Bildhauers John Pai. Besonders faszinierte mich die Ambivalenz und das Gleichgewicht der Gegensätze, die diese Skulptur ausstrahlt.
Die Skulptur besteht aus Metall – einem harten Material, das zugleich leicht, flexibel und beinahe luftig wirkt. Auf den ersten Blick scheint sie aus zwei Schichten zu bestehen, doch eigentlich bildet sie einen einzigen Körper, in dem Innen und Außen ineinanderfließen.
Obwohl der Schaffensprozess abgeschlossen ist, bleibt die Skulptur lebendig: Sie verändert sich im Laufe der Zeit durch das natürliche Verrosten. Diese Vergänglichkeit war vom Bildhauer bewusst geplant und ein wichtiger Grund für die Wahl des Materials.
Die Skulptur liegt still, doch aus jedem Blickwinkel verändern sich Struktur und Dichte. Paradoxerweise entstehen gerade aus der strengen Materialführung große formale Freiheit und Flexibilität.
Diese Aspekte wollte ich musikalisch in meinem Solo für Tastenakkordeon umsetzen.
Im Stück koexistieren zwei Klangschichten: die eine besteht aus Kombinationen der Dreiklänge des Standardbasses, die andere aus von mir entwickelten Akkorden. Beide Klangtypen entstehen aus einer gemeinsamen Harmonik, die unterschiedliche Klangfarben erlaubt und die Balance zwischen Verbindung und Abgrenzung der Schichten schafft. So entsteht ein breites harmonisches Spektrum – von einzelnen Dreiklängen über funktionale Wendungen bis zu Klängen unterschiedlicher Dichte, von einzelnen Tönen, also der Melodie, bis zu massiven Clustern.